Reisebericht

Tagesbericht vom 08.11.2010

„Morgenstund' hat Gold im Mund“: Für uns heisst das „Arbeit“. Bobo reinigt nach dem Frühstück die Solarzelle auf dem aufgestellten Dach von Sir James auf seine Art. Er holt im Dschungel einen Zweig eines Kautschukbaumes und entfernt dessen Blätter. Auf den so erhaltenen Stab steckt er unseren Fensterwischer. Bis jetzt war das Reinigen des Sonnenpaneels meine Arbeit. Da ich nicht so einfallsreich wie Bobo bin, musste ich jeweils für diese Arbeit aufs geschlossenen Hubdach von Sir James klettern. Bobo erledigt diesen Job nun elegant im Stehen! Danach legt er sich flach! Nein, nicht vor Erschöpfung; er schaut, dass der Kontakt an der kleinen Pumpe, welche Diesel vom hinteren Ersatztank in den vorderen pumpen sollte, nicht mehr wackelt. Dafür muss er sich unter James legen. Es geht nicht lange, bis ein Zuschauer Bobo interessiert beim Werken beobachtet.

Nebst den üblichen morgendlichen Arbeiten habe auch ich heute eine neue Aufgabe: Ich befreie die Fenster von Sir James vom feinen Staub, der während der Nacht auf ihn niedergerieselt ist.
Gegen 10:30 Uhr geht die Fahrt auf der immer wieder mit Schotter belegten Teerstrasse weiter. Die Gegend ist wenig besiedelt. Hie und da fahren wir durch ein Dorf mit einfachen Hütten.

Den höchsten Punkt erreichen wir auf 1300 müm vor Pakmong. Danach windet sich die Strasse, jetzt mit gutem Belag, in die Ebene, zum Nam Ou („Nam“ heisst Fluss). „Ebene“ ist eigentlich falsch ausgedrückt. Zahlreiche grössere und kleinere, stark mit Bäumen und Pflanzen aller Art überwucherte Hügel, manchmal wie Kegel in den Himmel ragend, kennzeichnen die Gegend.

Die Dächer der Bauten sind aus Wellblech und nicht mehr strohartig bedeckt, wie in den Bergdörfern. Wir nähern uns Luang Prabang. Luang Prabang ist zwar nicht die Hauptstadt, wohl aber die Kulturstadt von Laos. Sie gehört zu den World Heritage Sites der UNESCO und wartet daher auf unseren Besuch.
Und da sind wir. An Position Nord 19° 53' 40.8", Ost 102° 8 ' 13.1" im „Sala Luang Prabang“ mit Sicht auf den Mekong.

Bobo hat Glück im Unglück. Beim Umparkieren streift er ein abgestelltes Motorrad, welches in der Folge seitlich zu Boden fällt. Lediglich der Rückspiegel geht in Brüche. Wie sich herausstellt gehört das Motorrad dem Mitbesitzer des Hotels, in welchem wir abgestiegen sind. Als guter Geschäftsmann wird er wohl seine Kunden für eine solche Bagatelle nicht belasten, denken wir. Er werde uns morgen mitteilen, was uns der Schaden koste, meint er.
Wir befreien nun auch uns vom feinen Staub und geben die Schmutzwäsche ebenfalls zum Entstauben, respektive zum Waschen, in die nahegelegene Wäscherei. Wieder frisch erkunden wir die Umgebung. Die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten vertagen wir auf morgen. In Luang Prabang wimmelt es nur so von westlichen Touristen. Dementsprechend ist auch das Angebot: Guesthouses für jeden Geldbeutel, Restaurants für jeden Geschmack und Shops aller Art. Uns gefällt dieser Mix von von den Franzosen hergebrachten westlichen Ambiente und laotischem Leben. Ich kann mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen: ich finde einen Ring in Schlangenform. Bobo bekommt zum Nachtessen endlich wieder einmal ein Steak. Nach dem Essen bummeln wir durch den „Night-Market“. Und was finden wir für Sir James? Einen Sticker von Laos. Und weil solche Selbstklebebildchen schwer aufzutreiben sind, kaufen wir auf Vorrat auch jene von Kambodscha und Thailand.
Auf der Terrasse eines von einem ausgewanderten Zürcher geführten Lokals treffen wir vier Schweizer: Jeanette und Linus, Sybille und Andreas. Jeanette und Linus sind schon länger per Rucksack unterwegs. Wir setzen uns zu ihnen und unterhalten uns bis spät über unsere verschiedenen Reiseerfahrungen.

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