Reisebericht

Tagesbericht vom 09.07.2004

Eigentlich wollten wir Sir James zu seinem 112-ten Geburtstag nur neues Öl geben. Aber es kam anders. Wir fahren in Shymkent von einer Garage zur andern und Liseli fragt bei verschiedenen Autowerkstätten, ob sie einen Ölwechsel an einem Dieselfahrzeug wie Sir James durchführen könnten. Nach etwa drei Stops finden wir den Servicevertreter für Toyota, Mitsubishi, Subaru, usw. Er schaut kurz unter das Fahrzeug und meint, da ist mehr zu tun als nur ein blosser Ölwechsel. Die Bolzen an der vorderen Spurstange sind ausgerissen. Ein altes Problem der Toyotas, meint er. Nach einer Reparatur bei ihm garantiere er die Fahrt nach Wladiwostok und zurück. Was bleibt uns anders übrig als die Reparatur durchzuführen.

Lieber Bobo, vielen Dank, dass Du mir die Beschreibung dieses schwierigen technischen Teils des heutigen Berichts abgenommen hast! Nun füge ich noch bei, was ich verstanden habe: Sie fragen uns in der Werkstatt, wie viel Öl Sir James brauche. 11,3 Liter, ist unsere Antwort. Nach etwa dreissig Minuten kommt ein Paar im Auto daher und übergibt dem Werkstattchef 3 x 5 Liter Öl für Sir James. Wir bezahlen die 15 Liter und schenken das überflüssige Öl dem Chef. Wir wollen Sir James nicht noch mehr Gewicht aufbürden. Bei der Reparatur der Bolzen sind auch die Angestellten der gegenüberliegenden ‚Garage' behilflich. Sie schweissen die defekten Teile wieder zusammen. Uns wird es während der ganzen Zeit nicht langweilig. Wir müssen erklären und erzählen und das alles auf russisch. Wenn ich gar nicht mehr weiter weiss, oder mein Gegenüber überhaupt nicht verstehe und glaube, die Angelegenheit sei wichtig, verständige ich mich mit Hilfe des Wörterbuchs. Das ist zwar mühsam, aber zuverlässig. Herzlichen Dank an Alena und Franz aus der Schweiz, die uns dieses Buch geschenkt haben. Nach etwa drei Stunden ist Sir James wieder gesund und mit frischem Öl versehen. Geschmiert wurde er nicht, das haben wir vor lauter anderen Problemen und der sommerlichen Hitze (32° Celsius) vergessen zu verlangen. Wir werden es irgendwann später nachholen müssen.
Danach fahren wir zur Bibliothek und erledigen am Computer unsere elektronischen Arbeiten (E-Mails beantworten, Reisebericht samt Fotos versenden usw.) Den Markt besuchen wir nur kurz. Er ist sehr, sehr gross. Wir könnten stundenlang hier verweilen.

Aber wir wollen heute noch zur Stadt hinaus und kaufen daher im nächst besten Geschäft das Notwendigste ein. Geld müssen wir auch wieder beziehen – Städte kommen uns einfach teuer zu stehen. Wir knipsen noch das ‚Mig-Denkmal'. Es soll daran erinnern, dass in Shymkent im Zweiten Weltkrig die Mig Piloten geschult wurden. Dann fahren wir aus der Stadt. Ein kurzer kultureller Abstecher bringt uns nach Sayram.. Hier sollen die ältesten Siedlungen von Kasachstan entdeckt worden sein (2000 Jahre alt). Zudem ist es der Geburtsort von Kosha Akhmed Yasau. Wir entdecken sogar das Mausoleum seiner Mutter aus dem vierzehnten Jahrhundert. Und schon bald sehen wir von Weitem die schneebedeckten Berge, die die Grenze zu Usbekistan bilden. Es gefällt uns so gut, dass wir an Position Nord 42° 30' 41.5“ und Ost 70° 28' 13“ auf knapp 900 Meter über Meer Sir James Dach aufstellen. Das ist nicht die ganze Wahrheit: Eigentlich ist es schon spät, und wir finden nur mit Mühe in diesem recht dicht besiedelten Gebiet – wir befinden uns auf der nördlichsten Seidenstrasse - nahe an einem eingetrockneten Flussbett einen Platz für die Nacht.

Top