Reisebericht

Tagesbericht vom 27.09.2014

Es war kalt in der Nacht. Die Standheizung tat ihren Dienst. Überdies wärmte mich eine Decke, die ich zu Hause noch in Limpi schmuggelt konnte. Ich habe so Einiges an Bobos kontrollierenden Augen vorbei, mitgenommen. Nun folgt die Strafe. Alle Dinge, die wir in unseren zwei kleinen Koffern mitgenommen haben, müssen nun im Limpi verstaut werden. Für Bobo stellt das kein Problem dar. Er hat daheim in weiser Voraussicht seine Kleiderbox nur halb gefüllt. Aber wo soll ich nun meine zusätzlichen Sachen, wie Kleider, Sprachbücher und Sprachlern-CDs und die Mundharmonika samt Noten und so weiter, verstauen? Jeder noch so kleine Platz ist schon von Bobo ausgenutzt: für Elektronik, für Kabel, für Werkzeuge aller Art, die Bohrmaschine, für das Abschleppseil, und so fort. Ich will trotz allem ehrlich sein: all dies kommt auch mir zugute. Nur nützt mir das im Moment nicht viel. Ich tue mich schwer, einen Platz für die vielen (überflüssigen?) Dinge zu finden. Schlussendlich habe auch ich alles eingeräumt. Eine Hose und ein Hemd finden noch in Bobos Kleiderbox Unterschlupf! Zudem stopfe ich eine Stoffhülle, die ich für alle Fälle zu Hause genäht habe - in gelb natürlich, passend zu Limpi - mit meiner Jacke, meinem Pullover, meinem Regenmantel und mit ein paar Schals. Nun dient dieses gefüllte Etwas erst noch als Kissen. Super! Nach getaner Arbeit finden unsere beiden Rollkoffer leicht Abnehmer. Der eine geht mit den Deutschen weiter mit dem Segelboot auf Reisen, der andere bleibt bei unseren Gastgebern von heute auf der Farm.

Die Leute hier sind sehr freundlich zu uns. Sie können nicht verstehen, warum es uns gerade hierhin verschlagen hat. Erstens war auf unserer digitalen Karte vom Reise Know How an dieser Stelle ein Zeltsymbol. Zudem wies an der Strasse ein Schild mit der Aufschrift: el muelle, agroturismo‚Äú hier hin.
Erst um 14.00 Uhr fahren wir weiter. Das wenige Kilometer entfernte 'Colonia del Sacramento', am Rio de la Plata ist unser Ziel, Dieses pittoreske Städtchen, früher eine der ersten portugiesischen Siedlungen dieser Gegend aus dem späten 19. Jahrhundert, hat es geschafft, von der UNESCO in die Liste der Welt Kulturstätten aufgenommen zu werden. Wir schauen uns zu Fuss die wichtigsten Gebäude an. Die meisten Touristen allerdings scheinen mehr vom kulinarischen denn vom kulturellen Angebot angezogen zu sein.

Wir haben den Ort bald gesehen und haken diese erste von uns besuchte World Heritage Site in Südamerika ab. Wieder verlassen wir uns auf die digitale Karte von Reise Know How und steuern einen Campingplatz an. Anstelle des Campingplatzes stossen wir auf ein Hotel der Kette Sheraton. Ob das Hotel samt Golfanlage wirklich in Betrieb ist, können wir nicht feststellen. Aber einen Campingplatz gibt es hier definitiv nicht. Daher fahren wir zurück. Einen Kilometer vor Colonia del Sacramento finden wir den im Lonely Planet erwähnten Campingplatz 'Los Nogales'. Dieser Platz hat, wie vorher schon das Sheraton, auch schon bessere Zeiten gesehen. Wie so oft auf unseren Reisen, sind wir die einzigen Gäste. Egal. Steak and Salad, selbst zubereitet (also von Bobo, dafür ist er zuständig), munden trotzdem gut. Und, dank den von Bobo mitgenommenen Bananensteckern, können wir Limpi sogar ans Elektrisch anschliessen.

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